Den Kälteeinbruch nehmen wir ganz wörtlich – Schluss mit schwülen Sommersounds, vorbei sind die heißen Hitze-Hits, der Mitternachtsreigen kühlt die Gemüter mit coolen Cold-Wave-Klängen. Trockene, minimalistische Elektromusik, der französische Akzent, vor allem in Vocals, vorgetragen von oft emotionslos unterkühlten Stimmen, genau das schafft diese Klarheit, diese beinahe frostige Atmosphäre, wo einem unweigerlich das Lächeln einfriert und man mit unaufgeregtem Blick eher elegant zur und auf der Tanzfläche wogt. Dark-Wave ohne Pathos, New Wave ohne Schnörkel, so pfeift die ganz, ganz frische Brise um die Ohren. Und frisch ist nicht nur die Brise, auch die Tracks von Boy Harsher oder Dina Summer sind extra frisch. Ihr friert? Na, dann bewegt euch doch! Aber immer cool bleiben.
Wie im September auf manchen prächtigen Hängen die Weinlese beginnt, so trifft euer Mitternachtsreigen allmonatlich eine ganz besondere Auslese von feinen Tracks, die das Prädikat 80s, Wave and More tragen. Dass dieses Etikett nicht nur auf Songs original aus den 80er Jahren, beispielsweise von Blancmange oder The Psychedelic Furs prangt, dürfte schon bekannt sein. Selbst wenn es sich mit manchen Nummern aus der goldenen Ära der New Wave oder Post Punk so verhält wie mit gutem Wein – „mit dem Alter werden sie besser“, vermögen auch jüngere Jahrgänge wie Future Nobodies neu zu begeistern. Nun denn, so holt eure Songs-Sommelière die schönsten Töne aus dem Keller und kredenzt sie euch zum Verkosten. Lasst nun nicht nur die Gläser klingen - auf euer Wohl!
Ach, hört doch auf mit dem Metalgeschrammel! Rock mögen wir bestenfalls als Kleidungsstück. Selbst eine E-Gitarre macht noch keine elektronische Musik. Da müssen schon die Knöpfchenschrauber, die Tastendrücker, die Keyboardklimperer von Priest, Glis, Mondträume oder Code 64 ran, die mit Synthesizern und elektronischen Musikinstrumenten Töne künstlich über elektrische Signale und Schwingungen erzeugen. Und wenn die Elektroinstallateure auch noch liebevoll arrangierte Melodien, fein abgestimmte Beats harmonisch dazubasteln, mit angenehm klangvollen Vocals kluge, gerne auch 'mal nachdenkliche Texte drüberlegen, dann schweben wir im synthten Himmel, dann tanzen wir auf den Klangwolken, dann schwelgen wir in molligen Sphären hingerissener Euphorie.
Schlag 23:00 Uhr legt der Mitternachtsreigen los und geleitet euch mehr oder weniger, also eher weniger sanft in sommerliche Nachtruhe. Aber bevor ihr euch aufs Ohr haut, hauen neue und nicht ganz so neue Tracks eine geschlagene Stunde lang drauf. Wozu denn sonst ist im Ohr ein Trommel-Fell, wenn nicht dafür, dass Simon Carter, Mildreda oder KMFDM drauf trommeln? Die Beats per Minute übertreffen den Ruhepuls um Längen, die Body Music versetzt naturgemäß den ganzen Körper, egal ob Techno Body oder Electronic Body in Bewegung. Unser Vorschlag dazu ist, lasst euch von Beats und Bass ruhig in Richtung Mitternacht prügeln, das tut nicht weh und im besten Fall seid ihr dann so durchgetanzt, dass ihr euch ein wenig Ruhe nach dem Sturm verdient habt.
Das M’ERA LUNA 2026 ist Geschichte, doch die Musik und die Eindrücke bleiben noch. Rund 25.000 Besucherinnen und Besucher kamen am Wochenende zum ausverkauften Festival auf dem Flugplatz Hildesheim-Drispenstedt. Begleitet wurde das Festival von hochsommerlichen Temperaturen, die der Stimmung auf dem Gelände jedoch keinen Abbruch taten. Zwei Tage lang standen 40 Acts auf Main Stage und Club Stage, dazu gab es ein umfangreiches Rahmenprogramm. Nach grpßartigen Auftritten von In Extremo, OMD, IAMX, Front Line Assembly oder Combichrist endete ein Wochenende, das die ganze stilistische Bandbreite der Schwarzen Szene abbildete, von Gothic und Dark Wave über EBM und Synthpop bis hin zu Metal und elektronischer Musik. Doch auch zwischen den großen Bühnenmomenten zeigte sich, wie breit das Konzept inzwischen aufgestellt ist. Lesungen, ein Vortrag der Kriminalpsychologin und Autorin Lydia Benecke, DJ-Sets, Workshops, die Gothic Fashion Show und der Mittelaltermarkt ergänzten das Konzertprogramm.
Rein grammatikalisch betrachtet ist die Vergangenheit vergangen, die Gegenwart präsent; die Grammatik der 80er Jahre verhält sich aber ein wenig anders. Da ist Vergangenes immer noch allgegenwärtig, die Gegenwart scheint in der Vergangenheit festzusitzen, die Zukunft ist jetzt. Ein schneller Zeitenwechsel ist in den vergangenen 40, 50 Jahren vonstatten gegangen, ein Generationswechsel hat stattgefunden, und doch existieren die unterschiedlichen Zeitformen ganz harmonisch nebeneinander und ineinander. Postpunk gab’s doch schon immer und gibt’s nun doch wieder neu. Dark Wave, ein Phänomen der 80ies, schwingt zeitlos aus dem Gestern ins Heute und Morgen. Die Zeiten verschwimmen. Alles ist im Jetzt.
20 Jahre AMPHI FESTIVAL – 20 Jahre Amphi Familie – 20 Jahre Lieblingsbands! Das Amphi feiert 2026 sein zwanzigjähriges Bestehen und lädt die schwarze Szene erneut an den Kölner Tanzbrunnen. Bei bestem Sommerwetter fanden sich über 12.000 Besucher auf dem weitläufigen Areal ein. Von den ikonischen Bühnen über die vielfältigen Food- und Marktstände bis hin zum Beachclub mit Blick auf den Kölner Dom – jeder Aspekt des Amphi Festivals ist darauf ausgerichtet ein einzigartiges Erlebnis zu bieten. Zum Jubiläum dürfen sie nicht fehlen: Bands, die das Amphi Festival geprägt haben und tatsächlich schon das eine oder andere Mal hier auf der Bühne standen. Aber genau deshalb gehören sie auch zu diesem besonderen Jahr – weil sie Teil der Amphi Geschichte sind und für viele unvergessliche Momente gesorgt haben. Gleichzeitig bringen so manche Künstler frischen Wind ins Programm, sei es, dass sie zum allerersten Mal dabei sind, sei es, dass sie nach vielen Jahren ihr Comeback in Köln feien.
Oh, ganz Salzburg befindet sich gerade im Kulturfimmel, also will auch der Mitternachtsreigen sein Scherflein dazu beitragen. Wir bauen im Nonntal einen Soundgarten, voll mit wunderschön ausgearbeiteten Klangskulpturen. Bildhauer treten hier nicht auf, vielmehr In-Die-Tasten-Hauer. Sie spielen Synthesizer und lustwandeln tänzelnd durch halcyonische Gebilde, die einen fast von allein mit den kunstvollen Melodiegemischen eins werden lassen, gleichsam synchronisieren. Zartes Indigo belebt die Szenerie, gekonnt auf die musikalische Leinwand aufgetragen von SIIE, Lakeside X’s Nightrider fügt sich neben anderen Figuren wie selbstverständlich in die fein klingende Umgebung ein. Das ist nicht einfach Kultur, das ist Cool-tur.
Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten. Rumms, da knallt der Hammer auf die Theke. Mitternachtsreigen bietet heute eine ordentliche VerSteigerung: Die Beats per Minute rasseln in die Höhe, pumpende Bässe pochen auf ihr Recht den Floor und die Boxen zum Beben zu bringen, fiese Snares und verzerrte Vocals zerreißen von flirrenden Strobos begleitet den Ansatz von Nachtruhe, ein Rhythmus, der einen hemmungslos auf den Dancefloor prügelt. Und ihr kriegt das einfach so um die Ohren, Fractiles, Mildreda oder Super Dragon Punch!! versammeln sich in Mitternachtsreigens Auktion, ein Titel nach dem anderen wird aufgerufen, nur dass hier nicht die Gebote ansteigen, sondern möglicherweise der Schallpegel.
Willkommen im Schwarzen Sommerloch. Wenn einem der rote Faden fehlt, so nimmt man halt einen schwarzen. Mitternachtsreigen hat „Stuff“-Woche, der echte, gute Juli-Stoff kommt aber erst als Bonus am Monatsende (Spoiler: Amphi!). So frettet sich eben irgendwer irgendwo im Sommer durch allerlei sommerliche Assoziationen, serviert coolen Summer Wine, denkt bei „Eiszeit“ sofort an Schoko-Vanille und liegt am Ende des Tages dann doch lieber „Under The Gothic Moon“ als in der prallen Sonne – und hört Mitternachtsreigen.