Wie erfreulich ist es doch, wenn immer wieder einmal Perlen aus der Vergangenheit auftauchen; die fühlen sich so vertraut an und geben einem das Gefühl irgendwie wieder zurückversetzt zu sein in eine wilde, bunte, unbedarfte Jugendzeit, aus der man eben nicht nur seine Lebenseinstellung in die Jetzt-Zeit mitgenommen hat, sondern auch den zugehörigen Background-Sound. Fernab von romantischer Vergangenheitsbeschwörung kann man gerne den einen oder anderen Track wieder aufleben lassen und den Künstlern immer noch Respekt zollen. Denn mit ihrem Beitrag haben sie sich unweigerlich ins kollektive Gedächtnis gegraben und bewirken immer noch ein gutes Gefühl, holen diese bunte Leichtigkeit wieder hervor, die dem 80s Pop & Wave so eigen war.
Das WGT hinterlässt auch 2026 mehr als nur Bilder. Über vier Tage wurde die Stadt erneut zum Treffpunkt der internationalen Gothic-Szene, die sich nicht allein über Musik definiert, sondern über Ästhetik, Gemeinschaft, Einstellung. Das 33. Wave-Gotik-Treffen vom 22. bis 25. Mai 2026 brachte mit über 200 angekündigten Künstler:innen und Programmpunkten wieder eine enorme Dichte an Konzerten, Kultur und Begegnungen nach Leipzig. Was die Veranstaltung jedes Jahr besonders macht, ist aber nicht nur die stilistische Bandbreite zwischen Gothic Rock, Dark Wave, Electro, Industrial, EBM, Mittelalter- und experimentellen Formaten. Beeindruckend ist, wie sich diese Vielfalt in der Stadt darstellt: an Orten wie Agra, Felsenkeller, Moritzbastei, Täubchenthal oder einfach in der Innenstadt Leipzigs, wo Schwarz längst zum ikonischen Bild des Pfingstochenendes geworden ist. Leipzig wird in diesen Tagen nicht bloß bespielt, sondern verwandelt.
Mitternachtsreigen öffnet heute die Schublade, wo das Etikett "Electro- und Synthiezeugs" draufklebt und kramt in gewohnter Weise allerlei erbauliche Stückerl hervor. Wundersamerweise wird genau diese Lade beinahe wöchentlich mit frischem und möglicherweise aufgefrischtem Material befüllt, sodass wir immer zu den Synthesizing-Stunden aus dem Vollen schöpfen können. Wenn nun Frozen Plasma die Spielfreude neu entdecken oder „ältere“ Herren wie Vince Clark oder Blancmange’s Neil Arthur immer noch keine Ruhe geben wollen, uns ist alles recht. Ob’s nun euphorisierend- sphärisch, melancholisch-schwermütig oder romantisch-harmonisch aus den Boxen tönt, ist alles ein Ding: hübsche, elektronische Synthesizermusik
Ach ja, wir mögen es schon ganz gern, wenn’s manchmal ein wenig rumpelt. Darf auch schon 'mal etwas mehr krachen, gerade an einem Mittwoch wie heute, auf den gleich ein Feier-Tag folgt. Was für ein Feiertag wär‘ das denn? Egal, feiern wir Mitternachtsreigen. Feiern wir den Beat, feiern wir den Bass, zelebrieren wir das rhythmische Zappeln auf Dancefloors. Party ist, wo Mitternachtsreigen ist, wo Desastroes Ihren Wunsch nach Tanz deponieren und wo Glis trotz flirrendem Strobo die Ultimate Darkness ausrufen. Groove ist gut, Beat ist besser – This is f*ckin Bass, Baby!
Wenn die 80er Jahre ein Film wären, das wär‘ ja eine Gaudi! Wahrscheinlich würden junge Menschen, nennen wir sie einfach Gruftis, andere junge Menschen, vielleicht heißen die Popper, ganz abscheulich finden, weil deren Klamotten viel zu pastellig und bunt wären. Dann würden wahrscheinlich wieder andere Junge Menschen mit bunten, hochgestellten Haaren, fetzigen Klamotten und einer ganz rotzigen Attitüde eine Mega Fete schmeißen, und plötzlich wären alle beisammen und tanzten. Hach, und am Ende küsste wohl ein ganz schüchterner Grufti-Boy die Popper-Prinzessin, was deren Eltern wiederum ganz schrecklich fänden und da ganz vehement dagegen intervenierten – ha, da hätten sie aber nicht mit der ganz frisch zusammengewürfelten Popper-Grufti-Punker-Gang gerechnet, die … Ach, lassen wir das. Die Story des 80s-Teenie-Movie wäre wohl ziemlich flach, aber, Leute, der Soundtrack! Allein deswegen sind wir im Kino und genießen die Mitternachtsvorstellung.
Heute ist der internationale Tag des Tanzes! Nunja, als ob nicht jeder Tag für uns ein Tanztag wäre, aber am 29. April ist eben akkurat der UNESCO International Dance Day. Also sorgt der Mitternachtsreigen für einen vollen Dancefloor, damit jeder ungehemmt sein agiles Tanzbein (oder mehrere Gebeine) schwingen kann. Was gibt es Erfüllenderes, als wenn sich eure Körper rhythmisch im Takt bewegen und so zu einem Körper werden? Was macht uns glücklicher, als im Tanz alles von uns abzuschütteln – yeah, shake it, baby! - und für einen Moment nur den Groove zu fühlen, nur in der Musik zu leben? Ob Dancing Queen oder The Devil's Dancers, ob Industrial Dancing oder Ballet Dancer - Ihr seid doch alle Tanzmäuse!
Aus jahrelanger Hörgewohnheit wissen wir, dass Synthesizer-Musik so viel mehr beddeutet als nur ein bisschen Knöpferl-Drehen oder halbmotiviertes In-die-Tasten-Hauen, dass viel mehr dahintersteckt als kluges Programmieren von mehr oder weniger leistungsstarken Soundprogrammen. Du kannst Ableton, du beherrschst Cubase? Toll, aber hast du auch die Skills, die Begabung, den Zauber, die aneinandergereihten Klänge, das Electro-Synthiegeblubber zu unvergessenen, unvergesslichen Harmonien und Tracks zusammenzufügen? In einem schier unendlichen Universum von Tönen versammeln sich bombastische Arrangements, Melodien und Stimmen, gemischt mit Emotionen aus einer anderen Dimension zu einer Stunde Atmosphären aus dem Synthiespace. Frozen Plasmas Rückkehr ist z.B. ein wahres Manifest, dass sie immer schon, immer noch ein perfektes Händchen für packende Melodien und kraftvolle elektronische Sounds mit Drive – und da gibt’s noch einige mehr. Hört selbst!
Bodenlos! Das schlägt dem Bass, ach, dem Fass den Boden aus, und genauso soll’s sein. Harte Beats, schwere Bässe, fiese Sounds, so tief, so abgrundtief, dass aus dunkelstem Untergrund pulsierend der Schall pumpert. Wirft einen sprichwörtlich zu Boden – mitten in den Abyss des Dancefloors nämlich. Unermesslich, mit welcher Dynamik Phosgore endlich wieder losdonnert. Geradezu unverschämt stülpt Laibach den Algo-Rhythmus über den Boden und Extize’s Techno-Viking nimmt einfach keine Gefangenen, er meint es wirklich ernst. So kommt's hart auf hart. Soll aber echt auch Spaß machen.
Es gibt eine Zeitrechnung nach den 1980er Jahren. Was Ende der 70er, Anfang der 80er mit New Wave, Post Punk und Artverwandtem begann, subtil, poetisch und voller emotionaler Tiefe, setzt sich fort bis heute. Mit melodischem Minimalismus, pulsierenden Synthieflächen, hallenden Gitarren und einer unverwechselbaren Melancholie prägten Bands wie New Order ganze Generationen, Klänge von The Essence lassen unweigerlich gute, alte Eighties-Vibes aufkommen. Eben diese Vibes erfassen auch junge Künstler im Jetzt und holen aus den althergebrachten Sounds ganz frische Qualitäten hervor. Die heutige Welle ist keine Kopie, sondern eine Fortführung: so entfaltet sich nicht nur ein Stück Musikgeschichte, sondern ein lebendiger Beweis dafür, dass echte Visionen keine Zeit kennen.
Uh, diese freudige Aufregung, wenn man etwa nach einem Jahr wieder die wunderbare Turbinenhalle in Oberhausen betritt, die Heimat des ETROPOLIS FESTIVALS. Diese erwartungsvolle Euphorie, wenn man nach so langer Zeit wieder auf der besten Pre-Party von allen in ein Festival hineintanzt, Mitternachtsreigens erstes Festival in diesem Jahr. Am 28. März 2026 verwandelte sich die Turbinenhalle Oberhausen in einen Schauplatz für elektronische Musik zwischen Dark Electro, EBM, Industrial und Synthpop, mit einem irrsinnig hochkarätigen Lineup begeisterte das synthetisch-elektronisch-industrielle Festival auch 2026: Größen wie Combichrist, Project Pitchfork, Faderhead oder Kite teilten sich die Bühnen mit Ultra Sunn, Welle Erdball oder Neuroticfish – alle Jahre wieder ist dieses Etropolis ein gelungener Auftakt in ein neues Festival-Jahr.