2009. Ein Jahr voller dramatischer Ereignisse - der erste schwarze US-Präsident, Weltwirtschaftskrise, Schweinegrippe. Schätzungsweise 143 Millionen Geburten. Und eine davon war euer Mitternachtsreigen. Am 04.11.2009 hört Salzburg zum ersten Mal Schwarz, die Radiofabrik launcht die Sendung für die Gothic-Szene. Im Lauf der letzten 16 Jahre ist seither viel geschehen, DJ B-NoiZe holte DJane Chrissy mit ins Programm, Mitternachtsreigen entfaltete sich zu einer großartigen Konstante in der Grufti-Woche, wöchentlich mittwochs kurz vor Mitternacht unterhalten wir euch eine Stunde lang mit richtig coolen Sounds, 'mal eine Retro-Reise in die 80er, 'mal ein wilder Party-Ritt durch harsh Electronics, dann wieder Schwelgen in der Wohlfühl-Wolke der Synthpop-Sounds. Immer am Puls der Zeit - auch noch nach 16 Jahren. Und das war noch lange nicht alles!
Süßes oder Saures - diese Frage stellt sich für uns Kreaturen der Nacht doch gar nicht. Wir wollen Grusel! Wir mögen das Grauen! Immer nur her mit Monstern, Geistern, Hexen, die Fledermäuse feiern Halloween. Das Knochenklappern der Skelette schlägt den Beat, das unheimliche Heulen von Gespenstern untermalt die mehr oder weniger schrecklichen Gesänge über Zombies, Vampire und was sonst noch an Schreckgestalten in der Nacht der Toten umherkreucht und -fleucht. Zum inoffiziellen Feier-Tag der dunklen Gestalten laden Ghostbells, Sidewalks And Skeletons, Dracula Party und noch ein paar mehr zum Mitternachts-Reigen.
Wir fahren Electro! Im Mitternachtsreigen ist Woche der elektronischen Musik, die Playlist zu 100% aufgeladen mit Songs und Sounds aus Strom und Klang. Klare Strukturen, präzise Beats, Melodien, die sich einbrennen wie Neonlichter in der Nacht. Ohne Steckdose wär’s heute ganz schön still. Verwobene Synthflächen bauen ganze Schaltpläne aus Atmosphäre, während die Beats wie ein leises Surren pulsieren. Bands wie Assemblage 23, Obey The Pulse oder Nite haben so viel Energie in ihre Machwerke hineingesteckt – und wie die Physik lehrt, geht Energie ja nicht verloren, sondern wird umgewandelt, hier in etwas ganz Besonderes: Die Tracks knipsen einen unweigerlich an, legen den Schalter um auf Bewegung, auf Zuhören, auf warmes Wohlfühlen. Wir sind alle „Electric Lover“
Es bassiert. Immer wieder. Mindestens einmal im Monat. In den bassten - äh, besten Familien. Das ist kein zartes Anklopfen zu mitternächtlicher Stunde, das ist eher hartes Aus-den-Boxen-Pumpern. Es erschüttert einen in Mark und Bein. Erschüttert mit wildem Bass-Beben. Zerlegt einen mit hartem Beat-Brettern. Verstört, zerstört einen mit unbändiger Wucht. Wenn Mitternachtsreigens Harsh-Hour anbricht, bleibt kein Stein auf dem anderen. Druckvoll bringt ein starker Rhythmus nicht nur das Blut in Wallung, dem Bewegungsdrang kann man sich nicht entziehen. Will man auch gar nicht. Nicht bei Ulisess's "Barbarian" oder einer ganz frisch von DSTRD SGNL angeworfenen "Robusten Maschine". Zu hart? Ach woher denn, das basst schon.
Wer meint, die 80er Jahre seien aus und vorbei? Die Tracks seien totgenudelt? Die Sounds der New-Wave- und Post-Punk-Aera könne man nicht mehr hören? Was für ein Irrtum! Sie leben immer noch und manchmal kommen sie wieder... Nicht totzukriegen ist unser liebstes Jahrzehnt, mit nicht enden wollender Kreativität finden sich immer wieder Bands und Künstler wie Darkways oder Blaklight, die in ihrer eigenen Art und Weise die wohl stilprägendste Dekade hochleben und weiterleben lassen. Und immer noch erfreuen auch klassische 80er-Titel z.B. von New Order unser verwöhntes Ohr - eine gelungene Melange aus alt und neu, aus 80er und klingt-wie-aus-den-80ern.
Wahnsinn, wie die Zeit verfliegt! Schon zum 13. Male lädt Djane Chrissy zu ihrer persönlichen Geburtstagsfeier, zu ihrer eigenen Musik-Stunde, was sich von Jahr zu Jahr gefinkelter gestaltet. Ihre persönlichen Favourites? Kennt ihr doch schon lange. Ihre großartigsten Musikmomente? Die werden doch alljährlich immer mehr. Auch das vergangene Lebensjahr der Miss Mitternachtsreigen ist gespickt mit wundervollen Neuentdeckungen, Neuerscheinungen, neuen Begegnungen, neuen Lieblingen - und ganz viel Gefeier. Ach, was erzähle ich denn lange, hört es doch einfach selbst!
Machen wir uns nichts vor, der Sommer ist vorüber. Abends wird's früh finster, morgens wird's spät hell - achja, wir lieben doch die Dunkelheit. Herbstnebel wabern über die Felder, die Temperaturen sinken in angenehme Kühle, alles Zustände, die unser gotisch Herz durchaus erfreuen. Herbstblues? Ja, bitte. Und wenn in goldenem Licht die letzten Sonnenstrahlen die kühle Luft noch ein wenig anwärmen, wenn wir voll kindlicher Freude durch bunte Laubhaufen rascheln, dann tun wir das am liebsten mit passender musikalischer Untermalung, die halt mit Herbst irgendwie zu tun hat - District 13 streuen Herbstlaub, [:SITD:] zelebrieren das Herbsterwachen, Double Echo begleiten durch die "Autumn Months". Wenn's dann grau und düster wird, das liegt uns doch sehr an unserem tiefschwarzen Herzen!
So erhebend die innigst geliebten Synthieklänge manchmal sind, so viel Euphorie sie in uns entfachen können, ebenso schwer und schwermütig können sie auch daherkommen. Schwer, ohne einen 'runterzuziehen. Schwermütig, ohne einen in trostloser Traurigkeit zu erdrücken. Schon wahr, wir mögen's manchmal ganz ordentlich laut, doch auch stille Töne vermögen uns zu bezaubern. Melancholie kann ja so wunderbar sein. Die Stimmung, in die uns Blackbook mit "Stay Strange" versetzt, ist alles andere als strange. Dass Music-Maniac Daniel Myer mit seinen vielzähligen Projekten und Beteiligungen auch eine ruhigere Schiene fahren kann, bringt er mit vor allem mit DSTR eindrucksvoll zur Geltung. Selbst ein Faderhead haut nicht immer straight four-to-the-Floor, auch er beherrscht die ruhigeren Töne. Synthesizing, grau in grau - aber alles andere als farblos!
Mit bom-bass-tischer Wucht donnert der Mitternachtsreigen aus dem Studio der Radiofabrik und lässt euch Teil einer unbändigen Party sein, zumindest eine Stunde lang. Industrial verschmilzt mit Dark Wave, Xotox bringt ganz neue Facetten inDuctape's "Veil Of Lies" und der atmosphärische Synthpop von Empathy Test's "Holding On" wird mit den fiesen Bässen von KVLT's Remix ganz schön aufgekratzt. Techno in Dark, das kann richtig treiben. EDM wird TBM, kompromissloser Beat mit heftigem Rhythmus spielt mit altbekannten Genres und öffnet Grenzen, dem Floor ist's doch egal, wie "schwarz" die Bands und Projekte sind, Hauptsache ihr kommt nicht 'raus aus der Bewegung. Außer Atem? Ein wenig vielleicht, aber sicher nicht ausm Takt.
Dass diese 80s-Sache weit über Bands wie The Cure & Pet Shop Boys hinausgeht, macht euer Mitternachtsreigen monatlich klar - deswegen ja "80s, Wave & MORE (!)". Dass diese 80s-Sache 1990 nicht zu Ende war, sondern auch heute noch unfassbar coole 80s-Vibes hervorgebracht werden, das hören wir auch nicht erst seit Bands wie She Past Away. Eine unglaubliche Bandbreite tut sich gerade in der Dark-Wave-Szene seit einigen Jahren auf, und jede Woche gewinnen wieder neue Projekte unser Interesse. Alt und Jung, ja sogar ganz, ganz Jung in einer Reihe, das matcht nicht nur ganz famos, sondern gehört untrennbar zusammen. Das eine kann ohne das andere nicht bestehen, ein harmonisches und erbauliches Nebeneinander, ein Mehr-Generationen-Reigen, dem zweifellos mehr Generationen anhängen.